Standpunkt – Ruhe im Wald. Ruhe?

Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) möchte mit dem Projekt „Haus im Wald“ Wissenschaftlern anbieten, dass sie sich „zum konzentrierten Arbeiten in die Stille zurückziehen können“. Dazu sei das „Haus im Wald bereits von seinem Konzept her auf Ruhe und Konzentration angelegt“.

Ja, es ist richtig: Schmitten ist extrem ruhig gelegen. Bei der Fluglärm-Initiative im Jahre 2003 wurde von Gutachtern festgestellt, dass Schmitten der ruhigste Ort ist, den sie bisher je gemessen hatten. Es wurde ebenso festgestellt, dass 75% der Schmittener der Ruhe wegen nach Schmitten gezogen sind.

Wenn man sich die aktuelle Planung des Projekte „Haus im Wald“ im Detail anschaut, so wird schnell klar, dass diese Ruhe gestört wird:

  • Allein durch die Umwidmung eines verlassenen und verfallenen Jagdhauses mit Wochenendnutzung in eine ganzjährig genutzte Seminar- und Tagungsstätte bringt das „Haus im Wald“ Lärm in den Wald. Denn nach aktueller Konzeption wird es rund um das Jahr, an Wochenenden und Feiertagen betrieben.
  • Lärm entsteht u.a. durch die An- und Abfahrten der Teilnehmer und durch die entsprechende Ver- und Entsorgung. So hat die Bürgerinitiative errechnet, dass bei dem von der EKFS angegebenen Mengengerüsts schon mit bis zu 4.500 KFZ-Fahrten (pro Jahr) im Wald zu rechnen ist.
    Es ist jedoch zu befürchten, dass die Nutzung noch über die von der EKFS angegebene 30 – 50 eintägigen Seminare hinausgehen wird. Denn die Seminarkapazitäten werden dem Fresenius-Konzern und der Goethe-Universität Frankfurt kostenfrei zur Verfügung gestellt, sodass damit zu rechnen ist, dass die Nutzung eher häufiger als seltener sein wird.
  • Da für die Seminarteilnehmer keine Übernachtungsmöglichkeiten vorgesehen sind, müssen diese jeden Tag an- und abreisen.
  • Nach aktueller Planung wird der Verkehr über die Zuwegung „Am Kohlberg“ und oberhalb des Mittelfeldes geführt. Somit kommt der Verkehrslärm für alle betroffenen Anwohner dann von oberhalb, also aus einer Richtung die ansonsten absolut ruhig ist. Es muss auch damit gerechnet werden, dass die Bewohner der oberen Freseniusstrasse, diese Abkürzung nutzen werden, wenn diese nicht mehr dem Forstbetrieb vorbehalten ist.
  • Es ist zu befürchten, dass das „Haus im Wald“ auch als Party-Lokation genutzt wird, da die EKFS schreibt: „Nicht zuletzt können wir uns auch eine vereinzelte Nutzung des Seminarbereichs durch Schmittener Gruppen gut vorstellen.“ Das verspricht besonders viel Ruhe im Wald! Denn wer wird eine solche Lokation nutzen? Wahrscheinlich jemand der etwas zu feiern hat, wie z.B. einen Geburtstag oder eine Hochzeit. Umso zynischer klingt die Aussage der EKFS, dass das „Haus im Wald bereits von seinem Konzept her auf Ruhe und Konzentration angelegt“ sei.
  • Auch beim Energiekonzept steht die Ruhe bei der EKFS nicht gerade im Vordergrund: So ist geplant, die Wärmeproduktion mit Wärmepumpen zu realisieren, also Pumpen, die mitten im Wald stehen und wahrscheinlich ganzjährig laufen werden.

Darüber hinaus ist während der Bauphase, die für ca. ein Jahr angesetzt ist, durch die Baustellenfahrzeuge und den Baulärm mit sehr viel Lärm mitten im Wald zu rechnen.

Ruhe im Wald ist etwas anderes.