Bürgerinitiative „Kein Haus im Wald“

Die Lage vom "Haus im Wald" westlich des Kernortes Schmitten
Die Lage vom „Haus im Wald“
Daten von OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL

Um was es geht?

April 2019: Das im Westen des Kernortes Schmitten, mitten im Wald gelegene, baufällige Jagdhaus soll abgerissen und stattdessen dort ein Seminarhaus mit Appartements in 1,5facher Größe neu errichtet werden. Das im Wald gelegene Plangebiet soll im Zuge dessen erschlossen werden, um sowohl die Erreichbarkeit mit PKWs und Kleinbussen als auch die Wasserversorgung sowie die Abwasserentsorgung zu gewährleisten.

März 2021: Mittlerweile hat das Bauvorhaben der Else Kröner-Fresenius-Stiftung alle Hürden genommen. Es gab eine frühzeitige Bürgerbeteiligung Anfang 2019, aus der die BI entstanden ist. Das erste Offenlegungsverfahren fand im November 2019 statt. Diverse Gutachten wurden von der Bürgerinitiative gegen das Bauvorhaben ins Feld geführt, u.a. ein Rechtsgutachten, das den Bebauungsplan als rechtswidrig einstuft. 2020 überarbeitet der Bauherr seine Pläne: das Haus bekommt eine etwas andere Optik, aber im Grundsatz – dem Bauen im Wald – ändert sich nichts. Alle Änderungen sind eher „kosmetischer“ Natur – daher bleiben unsere Argumente auch im zweiten Offenlegungsverfahren im Oktober 2020 grundsätzlich gleich. Ein erneutes rechtsanwaltliches Gutachten auf Basis der überarbeiteten Planung kommt auch zu denselben Schlussfolgerungen wir schon 2019. Trotzdem winkt die Schmittener Politik den Bebauungsplan durch, der im März 2021 rechtskräftig wird.

Was ist geplant?

April 2019: Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung plant als Grundstückseigentümerin den Abriss des 1916 genehmigten, inzwischen baufälligen Jagdhaus und den Neubau eines Seminarhauses mit drei Appartements zur Nutzung durch die Universität Frankfurt und die Else Kröner-Fresenius-Stiftung.
Im Rahmen des Offenlegungsverfahrens hatten die Bürger die Möglichkeit, ihre Bedenken und Einwände vorzubringen. Die Präsentation des Bauherren am 4. April zum Vorhaben ergab, dass die Befürchtungen der Anlieger wahr werden: geplant sind jährlich 50 Seminare mit jeweils 20 Teilnehmern. Die drei Appartements im Haus würden an 200 Tagen im Jahr mit Bewohnern besetzt sein. Zudem soll das Seminarhaus ganzjährig bewirtschaftet werden.

Juli 2021: An den geplanten Seminaren hat sich nichts geändert. Aus drei sind zwei Appartements geworden. Das Haus soll vom 21. März bis 21. Dezember genutzt werden. Am 8. Juli 2021 lässt die Stiftung das alte Wochenendhaus der Stiftungsgründerin Else Kröner abreißen.

Welche Auswirkung werden erwartet?

  • Verkehr im Wald: Das Seminarhaus soll ganzjährig bewirtschaftet werden. Man rechnet mit 50 Seminaren mit bis zu 20 Teilnehmern und an ca. 200 Tagen mit Übernachtungsgästen. Da das Seminarhaus verkehrstechnisch schlecht angebunden ist, muss davon ausgegangen werden, dass die Teilnehmer zum Großteil individuell mit ihrem PKW anreisen – auch wenn der Bauherr das anders vorsieht. Die Stiftung wird keinen Einfluss darauf haben, wie die Teilnehmer zum Tagungsort kommen. Außerdem müssen die Teilnehmer von externen Catering-Betrieben mit Essen und Getränken versorgt werden (3x täglich Anlieferung und Abholung an Seminartagen). Auch Reinigungskräfte, die Müllentsorgung, der Facility-Manager, etc. müssen jeweils mit ihren Fahrzeugen zum Seminarhaus mitten im Wald.
  • Gewerbe im Wald: Es soll ein Gewerbebetrieb mitten im Wald betrieben werden.
  • Emissionen: Durch den gewerblichen Betrieb des Seminarhauses ist mitten im Wald ganzjährig mit Lärm- und Lichtemission zu rechnen. Dies bestreitet die EKFS, weil besondere Leuchten zum Einsatz kommen sollen. Aber vom Status „ohne Beleuchtung“ zu „wir beleuchten mit xyz“ findet eine Verschmutzung durch Licht mitten im Wald statt.
  • Bau des Hauses: Die geplante 3jährige Bauzeit geht über unbefestigte Waldwege, parallel zu teilweise oder/und vollständig geschützten Biotopen. Für die Infrastruktur des „Haus im Wald“ müssen mind. 2,5 km Waldwege aufgerissen werden.
    Die Staubbelastung durch die Baufahrzeuge wird negative Auswirkungen auf Erholungssuchende, aber auch auf die Pflanzen (z. B. Verkleben der Blattorgane) und Habitate für die Tierwelt (z. B. Nistgelegenheiten) haben.
    Der Waldboden – in einem von Dürre und Borkenkäferbefall erheblich geschädigten Bereich – wird weiter verdichtet.
  • Lärm- und Verkehrsbelastung: Während der drei Jahre Bauzeit ist mit einer erhöhten Lärm- und Verkehrsbelastung rund um den geplanten Zuweg über den Kohlberg (Schmitten), den bei Wanderern und Spaziergängern sehr beliebten „Wichtelweg“ zu rechnen.
  • Rodungen: April 2019: Der Großteil der auf dem Grundstück befindlichen stattlichen Bäume (mit bis zu 3m Stammumfang) sind markiert und es ist damit zu rechnen, dass diese Bäume gefällt werden sollen. Juli 2021: Es wurde immer bestritten, dass diese Bäume gefällt werden. Der Großteil ist nun dem Harvester zum Opfer gefallen. Als Grund wurde der Befall durch Borkenkäfer genannt.
  • Versiegelung: Im Rahmen der Baumaßnahme ist geplant, die Zuwegung über den Kohlberg (ca. 1,2 km Schotterwege) zu erschließen. Die Versiegelung der Wege wird bestritten: aber sie sind Stand 07/2021 deutlich verbreitert worden. Nun passen zwei LKW aneinander vorbei. Drei Jahre Bauzeit sind geplant: wir werden sehen, was in der Zeit noch passiert. Die gesamte Zufahrt befindet sich wie auch das Seminarhaus selber auf einer Fläche, die als „ökologisch bedeutsame Flächennutzung mit Flächen für Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft„, als „Vorbehaltsgebiet für Natur und Landschaft“ und als „Vorbehaltsgebiet für besondere Klimafunktionen“ ausgewiesen ist.
Zuwegungs zum „Haus im Wald“
Daten von OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL

Warum wir eine BI gegründet haben?

Die Bürgerinitiative „Kein Haus im Wald“ wurde gegründet, um das Bauvorhaben der Else Kröner-Fresenius-Stiftung zu verhindern und der Stiftung alternative und naturnahe Nutzungsmöglichkeiten für das Grundstück aufzuzeigen.

Warum der Name?

Der ein oder andere mag sich fragen, warum wir uns den Namen „Kein Haus im Wald“ gegeben haben.

Das ist mehr als simpel: das Bauvorhaben heißt „Haus im Wald“. Da ist sehr schnell unser Name draus entstanden. Gerne hätten wir uns einen neutraleren Namen gegeben – am liebsten nach dem Ort um den es geht.

Leider hat aber das Fresenius-Gelände keinen „amtlichen“ Namen:

  • das bekannte Wegkreuz „Weißer Stein“ liegt unweit, aber dennoch daneben
  • der „Kohlberg“ wird zwar wohl von der Zufahrt betroffen sein, aber ist auch nur ein Teil des betroffenen Gebiets
  • das „Mittelfeld“ wird auch von der Zufahrt betroffen sein, aber ist auch nur ein Teil des betroffenen Gebiets
  • der „Feldkopf“ liegt eher westlich vom „Haus im Wald“
  • Im „Eichfeld“ liegt eher östlich vom „Haus im Wald“

So sind wir bei unserem ersten Impuls geblieben „Kein Haus im Wald“.

Wer sind wir?

Wir, das sind 13 Gründungsmitglieder, ca. 20 Unterstützer im engeren Kreis und mittlerweile 170 Bürger Schmittens, die den Abriss und Neubau des „Haus im Wald“ verhindern wollen.

Die Gründungsmitglieder sind ganz normale Leute: Schmittener Bürger, Neu-Schmittener und Alteingesessene (alle 13 zusammen leben wir 364 Jahre in Schmitten), Angestellte und Selbständige, Berufstätige in Teil- und in Vollzeit, Hausfrauen und Rentner, Haushalte mit und ohne Kinder und mit und ohne Haustiere: einfach gesagt, wir sind Nachbarn.